In diesen Tagen blickt die Tafel Ennigerloh auf zwei Jahrzehnte im Dienste der Lebensmittelrettung sowie der Versorgung von Bedürftigen zurück. Der Verein wurde am 2. Februar 2006 gegründet. Heute werden rund 670 Haushalte mit rund 1800 Personen, davon etwa ein Drittel Kinder, in den Ausgabestellen Ennigerloh, Wadersloh, Sendenhorst, Beckum, Neubeckum und Oelde mit Lebensmitteln unterstützt. Das Bild zeigt Mitglieder des Teams in Ennigerloh mit (v. l.) August Weiser, Claudia Schlotmann, Dr. Ralf Thorwirth, Josef Northoff, Renate Koppenstein, Thomas Schröder und Edeltraud Klabunde.

Aus 40 bedürftigen Haushalten wurden 670

von TILL JUNKER – Die Glocke
Ennigerloh (gl). Meterhoch gestapelte Kisten mit Lebensmitteln werden mit Kollis ins Gebäude gefahren, anschließend wird die Ware begutachtet, sortiert und für die Ausgabestellen vorbereitet: Bei der Ennigerloher Tafel geht es geschäftig zu – und das seit 20 Jahren. In diesen Tagen blickt die Tafel Ennigerloh auf zwei Jahrzehnte im Dienste der Lebensmittelrettung und der Versorgung von Bedürftigen zurück.

Die Gründung des Vereins Tafel Ennigerloh begann 2005 mit einer Info-Veranstaltung der Grün-Alternativen Liste, zu der Andrea Hofer eingeladen hatte, die später die erste Vorsitzende des Vereins werden sollte. Aufgrund des großen Interesses, „der Raum war übervoll“, erinnert sich der heutige Vorsitzende der Tafel Ennigerloh, Dr. Ralf Thorwirth, wurde am 8. Dezember 2005 ein Gründungskreis gebildet, dem Andrea Hofer, Karin Rodeheger, Christine Körting, Henner Eisenhuth, Andreas Dieckmann, Wolfgang Grad, Hans-Jürgen Schoel und Ralf Thorwirth angehörten.

Die Vereinsgründung erfolgte am 2. Februar 2006 in der Alten Brennerei. Ziel war und ist bis heute die Rettung überschüssiger Lebensmittel und deren Weitergabe an Bedürftige. Zu dieser Zeit gab es 650 Haushalte in Ennigerloh, die Sozialleistungen bezogen.

Gut sechs Monate nach der Gründung fand die erste Ausgabe von Lebensmitteln an 40 Haushalte im Keller des Pfarrheims St. Ludgerus statt. Heute werden rund 670 Haushalte mit rund 1800 Personen, davon etwa ein Drittel Kinder, in den Ausgabestellen Ennigerloh, Wadersloh, Sendenhorst, Beckum, Neubeckum und Oelde mit Lebensmitteln unterstützt.

„Es herrschte Aufbruchstimmung“, sagt Thorwirth. Bereits ein Jahr nach der Gründung zählte der Verein 77 Mitglieder. Aufgrund steigender Nachfrage und wachsender Lebensmittelspenden zog die Tafel 2007 in größere Räume um und erhält seitdem finanzielle Unterstützung von der Stadt Ennigerloh. In den Folgejahren entstanden die weiteren Ausgabestellen in der Umgebung. 2008 wurde das erste eigene Fahrzeug angeschafft, ehe 2009 der Umzug in die Schleedahlstraße folgte, wo die Zentrale der Tafel Ennigerloh bis heute ihren Sitz hat.

„Ich dachte, dass die Finanzierung und Ehrenamtliche zu finden, schwierig werden“, blickt Thorwirth auf die Herausforderungen der Anfangszeit zurück. „War es aber nicht.“ Die Tafel komme über die Runden. Auch freiwillige Helfer zu finden, von denen auch an diesem Tag viele durch die Räume an der Schleedahlstraße wuseln, sei bis heute kein Problem. Wie für viele Vereine sei es aber eine Herausforderung, Mitglieder für den Vorstand zu gewinnen, also Ehrenamtliche, die Verantwortung übernehmen, sagt Thorwirth. Währenddessen wird weiter Ware sortiert. Am nächsten Tag ist Ausgabe in Oelde.

1,6 Tonnen Lebensmittel werden pro Tag abgeholt

Ennigerloh (tiju). Von der Zentrale an der Schleedahlstraße aus werden die tägliche Logistik und die rund 100 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer koordiniert. Zwischen zwei und vier Lkw beziehungsweise Transporter holen täglich 1,6 Tonnen Lebensmittel aus mehr als 40 Geschäften ab. An bestimmten Tagen ist es mehr als doppelt so viel, wie dieses Jahr am Dienstag nach Ostern: 3,5 Tonnen Lebensmittel wurden allein an diesem Tag abgeholt. „Wenn wir das nicht machen, wird die Ware entsorgt“, erklärt Geschäftsführerin Renate Koppenstein.
In der Regel werden die Lebensmittel in den Städten abgeholt, in denen sich auch die Ausgabestellen befinden. „Man will anderen nichts wegnehmen“, sagt Koppenstein. Es komme aber vor, dass Lebensmittel mit anderen Tafeln oder ähnlichen Organisationen getauscht würden, wenn von einem Produkt große engen vorlägen.
Zu den alltäglichen Herausforderungen gehört vor allem der bürokratische Aufwand. Tafeln werden Koppenstein zufolge rechtlich wie Lebensmittelunternehmen behandelt. „Mit allen Vor- und Nachteilen“, sagt Dr. Ralf Thorwirth. Unter anderem müssen die Kühlkette und Hygienevorschriften eingehalten und die Waren dokumentiert werden. „Es ist viel Bürokratie“, betont der Stellvertretende Vorsitzende Josef Northoff.
Der Motivation der Ehrenamtlichen scheint das aber keinen Abbruch zu tun, wenngleich es das Beste wäre, wenn ihre Arbeit gar nicht nötig wäre. Ein frommer Wunsch: Nach aktuellen Zahlen nutzen in Deutschland insgesamt 1,5 Millionen Menschen das Angebot der mehr als 970 Lebensmittelausgaben. In Ennigerloh sind es derzeit 110 Haushalte, einige Ausgabestellen führen Wartelisten.

links: Einblicke in die Arbeit der Ehrenamtlichen der Tafel Ennigerloh haben (v. l.) Joel Pawelczak und Vito Erdmann im Rahmen ihres Social Day (Sozial-Tag) erhalten. Der Tag ist Teil ihrer Ausbildung beim Unternehmen Veka in Sendenhorst.

rechts: Karl Arens bringt zahlreiche Backwaren in die Zentrale der Tafel Ennigerloh an der Schleedahl-straße. Dort werden sie für die Ausgaben sortiert.

Zahlen & Fakten

  • Bei der Tafel Ennigerloh engagieren sich 100 Ehrenamtliche in der Logistik (Abholung, Sortierung, Verteilung) sowie weitere 250 Helferinnen und Helfer in den sechs Ausgabestellen Ennigerloh, Beckum, Neubeckum, Oelde, Sendenhorst und Wadersloh.
  • Allein zwischen April 2025 und April 2026 hat die Tafel Ennigerloh rund 404 Tonnen Lebensmittel abgeholt – davon 264 Tonnen Obst und Gemüse, 50 Tonnen Backwaren und 54 Tonnen Molkereiprodukte. Im Durchschnitt sind das 7,8 Tonnen pro Woche.
  • Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ist stetig gestiegen. Spitzen gab es etwa aufgrund des Syrienkriegs 2015 und des Ukrainekriegs 2022. Um Lebensmittel bei der Tafel bekommen zu können, muss die Bedürftigkeit nachgewiesen werden.
  • Bereits vor der Gründung der Tafel Ennigerloh hatte der Verein Horizonte in den 1990er-Jahren eine Ausgabe. Die Lebensmittel, die vom gegenüberliegenden Marktkauf kamen, wurden an Maßnahme-Teilnehmer von Horizonte verteilt. (tiju)